Drei Tage Berlin, hunderte Gespräche, unzählige Gesichter – die ICBC ist inzwischen so etwas wie ein Jahrestreffen der Cannabisindustrie. Vom 13. bis 15. April 2026 verwandelte sich das Estrel Hotel erneut in einen der wichtigsten Treffpunkte für internationales Cannabis-Business, Politik und Kultur. Die ICBC (International Cannabis Business Conference) ist Europas älteste und größte B2B-Messe der Branche und 2026 legte sie noch einmal eine Schippe drauf.
5000+ Teilnehmer aus mehr als 80 Ländern

Wer die ICBC kennt, weiß, was ihn erwartet. Trotzdem überraschte die diesjährige Ausgabe in mehreren Punkten. Das Publikum ist spürbar gewachsen. Mehr als 5.000 Besucher aus über 80 Ländern drängten sich durch die Hallen des Estrel Convention Centers. Das dominierende Thema war wenig überraschend Deutschland. Dabei ging es vor allem um Importmöglichkeiten, Lieferketten und regulatorische Entwicklungen. Der deutsche Medizinalmarkt bleibt der treibende Motor des europäischen Cannabisgeschäfts. Und die internationale Branche weiß das ganz genau.
Gleichzeitig rückte auch Thailand stärker in den Fokus. Das Land gilt für viele als aufstrebender regulierter Markt. Es zeigt zudem, dass die globale Legalisierungswelle längst keine rein westliche Angelegenheit mehr ist.
CSCs erstmals richtig dabei
Eine interessante Entwicklung in diesem Jahr war für die Besucher der ICBC 2026 nicht zu übersehen: Cannabis Social Clubs waren erstmals in nennenswerter Zahl vor Ort. Möglich gemacht hat das Lorenz Minsk von Research Gardens, der eine Initiative mit der ICBC ins Leben gerufen hat, allen CSCs je zwei Freikarten zur Verfügung zu stellen. Eine Geste mit großer Wirkung. Lorenz zeigte sich dabei betont optimistisch – über die Zukunft der CSCs in Deutschland, über den Markt insgesamt, über das was gerade entsteht.
Aufbruchstimmung, Herzlichkeit und Community-Feeling

Und die CSC-Gründer? Die nutzten die Gelegenheit. Henry Wieker vom BvCW Branchenverband Cannabiswirtschaft brachte es gut auf den Punkt: Er freute sich sehr darüber, dass aus den bisher oft isolierten Einzelclubs endlich ein echter persönlicher Austausch entstehen konnte – weil man vielen endlich mal ins Gesicht schauen konnte. Genau das war spürbar. Gründer, die sich bisher nur über LinkedIn kannten, standen plötzlich zusammen am Stehtisch. Aufbruchsstimmung, echte Herzlichkeit, und das Gefühl dass da gerade eine Gründer-Community zusammenwächst – ähnlich wie man es bereits bei Cannabis Social Clubs in anderen Ländern beobachten konnte, nur diesmal auf deutschem Boden und mit mehr regulatorischen Rückenwind. Viele Clubs haben bereits eine laufende Produktion – die Anfangsphase des Zitterns und Wartens scheint für viele vorbei zu sein.
Deutschland im Mittelpunkt der internationalen Cannabisbranche
Der deutsche Markt war das dominierende Thema der ICBC 2026, das überrascht niemanden der die Entwicklung mitverfolgt. Seit der Verabschiedung des CanG-Gesetzes 2024 hat Deutschland endgültig die Rolle als europäischer Leitmarkt übernommen. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen konkrete Businessfragen: Welche Importmöglichkeiten bestehen, wie funktionieren Lieferketten in der Praxis, welche regulatorischen Entwicklungen stehen noch aus. Allein 2025 importierte Deutschland über 200 Tonnen Medizinalcannabis. Für internationale Produzenten, Händler und Investoren ist Deutschland schlicht der wichtigste Markt in Europa und die ICBC der Ort wo man diesen Markt versteht und erleben kann.
Aus dem Emerald Triangle – das Genetics Panel
Das Genetics Panel war eines der Highlights der Konferenz auf der ICBC 2026. Hier sprach unter anderem Mark Greyshock von Green Shock Farms (direkt aus dem Emerald Triangle in Kalifornien) über seinen Alltag als Grower, seinen Lifestyle und seine Leidenschaft für die Pflanze. Ein Mann der alten Schule mit einem klaren Blick nach vorne: Er arbeitet mit alten Skunk-Linien, favorisiert schwere, gassy Geschmacksprofile und sieht das größte Qualitätspotenzial bei Blüten klar im Sungrown-Anbau. Unter kalifornischer Sonne angebautes Outdoor-Gras als Premiumprodukt, nicht als Billigware – das war seine These.

Purple City Genetics aus Oakland
Auch Purple City Genetics, über die wir bereits ausführlich berichtet haben, waren mit einem gut besuchten Stand vertreten. Das Kollektiv aus Oakland hat sich längst als eine verlässliche Adresse für kalifornische Seeds und Stecklinge etabliert, mit einem zweiten Standort in Barcelona und starker Präsenz in Europa. Am Stand wurde deutlich: PCG steht für handwerkliches Breeding mit Tiefe – von sorgfältig archivierten Klassikern bis zu modernen Cherry- und Candy-Linien.

Warum die ICBC 2026 mehr war als nur eine Messe
Die ICBC Berlin 2026 war nicht einfach nur größer oder internationaler als zuvor. Entscheidend war vor allem, wie stark sich die Themen in Berlin verdichteten. Deutschland trat klar als Leitmarkt auf. Gleichzeitig wurden CSCs als sichtbarer Teil der neuen Realität wahrgenommen. Auch Genetik spielte eine zentrale Rolle, während das Thema kulturell und wirtschaftlich zugleich behandelt wurde.
So kam in Berlin vieles zusammen, was die Branche derzeit prägt. Drei Tage, hunderte Gespräche, unzählige Gesichter. Am Ende bleiben nicht nur Panels, Stände oder Business-Karten in Erinnerung. Vor allem bleibt das Gefühl, dass sich hier eine Branche trifft, die stetig erwachsener, strukturierter und zugleich nahbarer wird.
Fazit
Ob Investor, CSC-Gründer, Breeder aus Kalifornien oder Aktivist aus Deutschland – die Offenheit und Herzlichkeit, mit der man sich auf der ICBC begegnete, ist in dieser Form nicht selbstverständlich. Genau das macht diese Veranstaltung so besonders.
Wer verstehen will, wohin sich die Cannabisbranche in Europa bewegt, kam an Berlin im April 2026 nicht vorbei.

Editors Note von GD420
Nach dem Tortenwurf vor drei Jahren bin ich dankbar, dass mit Simon (mit dem ich letztes Jahr einen Teil meiner Emerald Triangle Reise verbracht habe) CannabisBlog.eu 2026 wieder auf der ICBC vertreten war. Wer die Szene von damals nochmal nachlesen will, findet hier meinen Beitrag zur ICBC Berlin 2023 – Juicy Fields – Ein unvergessliches Interview
