Der Goldschmied einer der bekanntesten Trophäen der Cannabis-Kultur – ein Interview mit Robin „The Hammer“ Ludwig
„Es gibt manchmal Objekte, die irgendwann größer werden und mehr bedeuten als ursprünglich mal angedacht. Sie sind dann nicht mehr nur Preise, Requisiten oder Erinnerungsstücke. Sie werden zu Symbolen.“
Die Cannabis Cup Trophy von High Times gehört genau in diese Kategorie. Für viele Grower, Coffeeshops, Breeder und Aktivisten war und ist der Cup über Jahrzehnte bis heute mehr als nur ein Pokal. Er steht für Anerkennung innerhalb der Cannabis-Community, Underground- und Gegenkultur und für den Moment, in dem Cannabis langsam aus dem Schatten in die Popkultur trat.
Doch wer hat diese Trophäe eigentlich entworfen? Dazu hat CannabisBlog.eu recherchiert und ein interessantes Interview mit dem Künstler hinter dem bekannten Pokal geführt.
Robin „The Hammer Ludwig“

Hinter dem Design des legendären Cups steht Robin “The Hammer” Ludwig – ein Künstler, Goldschmied, Musiker, Medievalist und Counterculture-Veteran, der schon lange vor dem Cannabis Cup Teil verschiedener kultureller Bewegungen war. Ludwig beschreibt sich selbst mit einem Satz, der fast zu gut klingt, um ein Interview zu starten, die Spannung auf das was er erzählen wird steigt:
“I am known as The Goldsmith to the Gods.”
Im Gespräch blickt Robin Ludwig auf die Entstehung des Cannabis Cup Pokals zurück, auf seine Arbeit für Billy Idol, auf die frühen High Times-Jahre und die Hippie- und Beat-Kultur die ihn stark prägte.
“Ich war Beat, bevor es Hippies gab”
CannabisBlog.eu:
Robin, viele Menschen kennen die Cannabis Cup Trophy, aber nur wenige kennen den Künstler dahinter. Wie würdest du dich selbst beschreiben?
Robin “The Hammer” Ludwig:
Ich bin als “The Goldsmith to the Gods” bekannt. Ich war den größten Teil meines Lebens ein begeisterter Medievalist, aber ich bin auch fasziniert von der Bronzezeit – und natürlich von Tolkien.
Er sagt das nicht als Pose. Bei Robin Ludwig wirkt es eher so, als würde er einen biografischen Fakt teilen. Mittelalter, Bronzezeit, Mythologie, Tolkien, Musik, Metallarbeit – all das scheint bei ihm ein zusammenhängendes Konzept zu sein.
Dieses Leben begann für ihn lange vor High Times, vor Amsterdam und vor dem Cannabis Cup.

CannabisBlog.eu:
Du hast einmal gesagt, dass du schon sehr früh Teil politischer und kultureller Bewegungen warst. Was meinst du damit?
Robin Ludwig:
Ich war seit meiner Jugend in der Friedensbewegung und der Bürgerrechtsbewegung aktiv. In dieser Phase begann ich auch, Zen zu lesen. Für mich fühlte sich das alles wie Zuhause an.
Ich hatte mit zwölf aufgehört, mir die Haare schneiden zu lassen, betrachtete mich als Beat. Ich war ein Hippie, bevor es Hippies gab. Meine Familie nahm mich nicht wirklich ernst. Für sie war es ein Schock, mich später als wichtigen Künstler wahrgenommen zu sehen.
In dieser Antwort steckt viel von dem, was die frühen Cannabis Cup-Jahre ausmachte. Es ging nicht nur um Cannabis. Es ging um kulturelle Identität, um Ablehnung etablierter Normen, um Kunst, Musik, Spiritualität und einen eigenen Freiheitsbegriff.
Von Billy Idol zum Cannabis Cup
Bevor Robin Ludwig die Cannabis Cup Trophy gestaltete, arbeitete er bereits für eine große Ikone der Popkultur: Billy Idol.
CannabisBlog.eu:
Zum Zeitpunkt deines Cannabis Cup Designs hast du viel für Billy Idol gearbeitet. Wie kam es dazu?

Robin Ludwig:
Damals arbeitete ich fast ausschließlich für Billy Idol. Ich habe fast all seinen berühmten Schmuck gemacht – außer dieses spanische Kreuz, das er in Rio gekauft hatte. Schau dir das Video zu “Prodigal Blues” oder “Cradle of Love”an, dort sieht man einige meiner Arbeiten für ihn.
Ich hielt mich damals eher im Hintergrund und vermied es, für andere Stars zu arbeiten. Billy hat mich 24/7 beschäftigt. Sein ganzer Look schien irgendwie um die Metallarbeit herum aufgebaut zu sein, und ich fühlte mich mehr als geehrt. Wir haben eine mittelalterliche Beziehung. Ich habe sie geschützt und geschätzt.
Wir sind immer noch Freunde. Dieser Mann hat mir erlaubt, meine Talente auszudehnen und echte, kostbare Museumsstücke zu schaffen, die hoffentlich lange erhalten bleiben.
Ludwig spricht über Schmuck nicht wie über Accessoires. Für ihn sind es Artefakte. Dinge, die eine kulturelle Spur hinterlassen können.
Genau diesen Vibe brachte er später auch in seine Arbeit für den Cannabis Cup ein.
High Times auf Künstlersuche

CannabisBlog.eu:
Wie hast du überhaupt vom Cannabis Cup erfahren?
Robin Ludwig:
High Times hatte damals sehr leise die Nachricht gestreut, dass Künstler Angebote für dieses neue Ding abgeben sollten. Ein Freund von mir – Dave, so ein “put-it-together guy”, jemand, der Leute zusammenbringt – informierte mich darüber und stellte den Kontakt zu High Times her.
Zu diesem Zeitpunkt war der Cannabis Cup noch weit entfernt von Mythos oder Kulturstatus. Was als eher private Angelegenheit begonnen hatte, entwickelte sich zu der Zeit erst richtig zu einem echten Event.
CannabisBlog.eu:
War es von Anfang an klar, dass du den Auftrag für den Cup bekommst?
Robin Ludwig:
Nicht ganz. Ich glaube, der einzige andere Künstler, den sie ernsthaft in Betracht zogen, war Andree Lassen. Aber Andree war wohl etwas zu teuer, also gewann mein Angebot.
Sein Design war auch nicht das, was sie fühlten – und meines war es. Sie wollten etwas Einzigartiges und sehr Künstlerisches. Etwas, das zum ganzen Counterculture-Ethos passte.

Die Idee hinter der Cannabis Cup Trophy
CannabisBlog.eu:
Was war die zentrale Idee hinter dem Design?
Robin Ludwig:
Die Idee, dass die Stiele einen Caduceus bilden, kam von meiner Tochter. Meine Frau Sweetbryar zeichnete das Bild.
Der Caduceus – der Stab mit zwei sich windenden Schlangen – ist ein uraltes Symbol, das häufig mit Handel, Heilung, Übergang und Transformation assoziiert wird. In Verbindung mit Cannabis bekam dieses Motiv einen neuen Twist.
CannabisBlog.eu:
Wie wurde die originale Trophy hergestellt?
Robin Ludwig:
Das Original ist komplett aus Feinsilber und vollständig handgemacht – mit Treibarbeit und Fabrication. Außerdem hatten sie später auch einen Sockel aus Holz.
Das war kein am Band hergestellter China-Pokal. Nachdem der Cup seit der ersten Ausgabe im Jahr 1988, in den vergangenen Jahren etwas an Größe gewonnen hatte und dem High Times-Team mehr Budget zur Verfügung stand, sollte nun die Cup Trophy als Kunstwerk wahrgenommen werden. Handgemacht, materialstark, symbolisch aufgeladen. Das war der Plan.

Der sechste Cannabis Cup und der Beginn der Ära Ludwig
CannabisBlog.eu:
Wann debütierte deine Trophy?
Robin Ludwig:
Mein Pokal debütierte beim sechsten Cannabis Cup. Im Jahr danach begannen wir selbst, die Cups zu besuchen. Wir müssen bei ungefähr einem Dutzend Cups gewesen sein.
Damit wurde Ludwigs Arbeit Teil einer Phase, in der der Cannabis Cup immer stärker an Bedeutung gewann. Was zunächst aus der High Times-Welt und der Amsterdamer Coffeeshop-Kultur heraus entstanden war, wurde zunehmend zu einem internationalen Bezugspunkt für Cannabis-Qualität, Breeding, Hash, Aktivismus und Szene-Status.
Für Gewinner war die Trophy nicht einfach nur ein simpler Preis. Sie war ein Stück Legitimierung innerhalb einer Kultur, die außerhalb der Cups ihre eigenen Maßstäbe entwickelte.

“Wir wussten, dass wir eine Legende erschaffen”
CannabisBlog.eu: Wie war die Stimmung in den frühen Cannabis Cup-Jahren?
Robin Ludwig:
Die frühe Cannabis Cup-Welt – wir wussten irgendwie, dass wir eine Legende erschaffen. Es gibt eine bestimmte Energie, wenn man weiß, dass man bei etwas Besonderem dabei ist.
Trotz Egos, Meinungen und Meinungsverschiedenheiten wussten wir, dass diese Momente goldene Medaillons waren, die über die Jahre hinweg leuchten würden. Ich glaube das haben alle gespürt.
Das ist vielleicht der wichtigste Satz des ganzen Gesprächs.
Denn heute ist es leicht, auf die frühen Cups zurückzublicken und sie historisch einzuordnen. Mit Skunk #1 als erstem Gewinner im Jahr 1988, kam eine wegweisende Sorte auf das Cover des damals auflagenstarke High Times Magazin. Der Cup wurde ein Wegweiser für Sorten die viele im folgenden Jahr selbst anbauen würden. Robin Ludwig kam in einer Zeit dazu, in der sich Nevil Schoenmakers und Arjan Roskams Sorten etablierten, die die 90er und frühen 2000er Jahre, besonders in Europa stark prägten. Cannabis war in vielen Teilen der Welt damals streng kriminalisiert.
Die Szene bewegte sich damals noch zwischen Aktivismus, Underground, Coffeeshop-Kultur und Grower-Netzwerken. Robin Ludwigs Intuition, dass daraus etwas Großes wachsen wird, hat ihn nicht getäuscht.

Erinnerungen ans Judging
CannabisBlog.eu:
Du warst auch beim Judging dabei. Was ist dir davon in Erinnerung geblieben?
Robin Ludwig:
Du fragst mich ob ich mich an das Judging eines Cannabis Cups zu erinnern – das ist einer dieser Momente: Wenn du dich daran erinnerst, warst du nicht dabei!
Dann erzählt er doch eine Geschichte.
Die Erinnerungen ans Judging sind verschwommen und weit weg, aber an eines erinnere ich mich: Sie beurteilten gerade das importierte Hash. Der Konsens ging in Richtung von so einem Hash mit schwerem Aroma. Dunkles Zeug – das Übliche.
Aber Rocker T war dort, zusammen mit Bob Marleys Rastfari Minister, und sie chanteten immer wieder: “Sticky Eyes!”
“Sticky Eyes” stellte sich als süßes, weiches Hash heraus, das kaum jemand wirklich probiert hatte.
Es erinnerte mich an etwas namens Egyptian White Silk, das ich nur einmal in meinem Leben gesehen habe. Wir probierten es, nachdem wir schon vieles anderes geraucht hatten und es schlug alles andere. Wir waren alle mind blown, lachten und waren ziemlich glücklich. Und ja, es brachte deine Augen wirklich zum Tränen. Auf die gute Weise.
Der Cup war ein Wettbewerb, ja. Aber es war auch ein Ritual, Community und Session. Es ging um gutes Weed, um Wirkung, um Geschichten, um Sorten und auch um Konzentrate wie Hashish.

Kunst, Cannabis und kulturelle Spuren
CannabisBlog.eu:
Was bedeutete der High Times Cannabis Cup heute für dich persönlich?
Robin Ludwig:
Für mich bedeutet es neben meiner Arbeit für Billy Idol fortlaufende Bestätigung. Meine Familie hatte mich nicht ernst genommen. Und plötzlich wurde ich als wichtiger Künstler wahrgenommen.
Die Cannabis Cup Trophy war nicht nur ein Auftrag. Für Ludwig war sie Teil seiner persönlichen Anerkennungsgeschichte und das kauft man ihm ab. Als nach wie vor begeisterter Konsument erfüllt ihn sein Beitrag zur Cannabis-Geschichte mit Stolz.
Was Robin Ludwig heute macht
CannabisBlog.eu:
Woran arbeitest du heute?
Robin Ludwig:
Heute arbeite ich vor allem für Sammler, die wissen, wer ich bin. Ich bin außerdem auch Musiker. Meine Sachen sind auf den typischen Plattformen – Spotify, Apple und so weiter. Man kann auch meine Videos auf YouTube finden.
Robin „The Hammer“ Ludwig ist ein Mann mit vielen Hüten. Metallkunst, Musik, Mythologie, Gegenkultur, Cannabis – bei Robin ist das alles Teil seines Lebenswerks.
Warum diese Geschichte wichtig ist
Die Geschichte von Robin “The Hammer” Ludwig ist mehr als eine Randnotiz innerhalb der Cannabis Cup-Historie. Sie zeigt, wie stark die frühe Cannabis-Kultur von Künstlern, Musikern, Aktivisten, Handwerkern und Außenseitern geprägt wurde.
Die Cannabis Cup Trophy war nie nur ein Pokal. Sie ist durch Robin Ludwig ein Kunstwerk geworden. Sie ist ein Symbol für die Counterculture und für einen Moment, in dem Cannabis begann seine eigene moderne Geschichte zu schreiben.
High Times machte den Cannabis Cup berühmt und zu nach und nach zu einem großen Event. Grower, Breeder, Coffeeshops und Aktivisten machten ihn kulturell relevant. Aber Robin “The Hammer” Ludwig gab ihm ein unverkennbares Gesicht aus Silber das heute viele in Europa aus Coffehops wie dem Greenhouse kennen, der einige abgesahnt hat, oder natürlich von zahlreichen High Times Magazine Titelseiten.
Die Idee zum Pokal stammt nicht aus einer Marketingabteilung. Sie stammt aus derselben Welt, aus der auch der Cannabis Cup selbst kam – Kunst, Rebellion, Szene, Rausch, Musik und das Gefühl, dass etwas entsteht, das größer werden könnte als die Beteiligten selbst.
Robin Ludwig hat es damals schon gespürt. Heute wissen wir: Er hatte recht.
