Eine Fontäne im See plätschert unaufhörlich. An Biertischen präsentieren sich ein paar Aussteller auf der Mary Jane im Sommer 2025. Ich treffe Bobby von der Cali-Brand Beazy. Er kommt aus Los Angeles und ist gerade auf Europa Tour, um für seine Produkte zu werben.
Gute zwölf Monate später befinde ich mich in einer großen, lauten Halle der Mary Jane 2026. So viele Amerikaner wie noch nie sind vor Ort. Diesmal präsentiert sich Bobby an einem aufwendig gestalteten Messestand mit bunten Grafiken und Tiermotiven. Unser Gespräch streift Themen wie Branding, mentale Gesundheit und Bobbys Begeisterung für Berlin.
Warum Europa für ihn wichtig ist, wie Markenaufbau im Bereich Cannabis funktioniert, erzählt der Zalympix-Gewinner hier im Cannabis-Blog. Sein Strain “Guz” holte sich vor kurzem den Preis für die “Most Unique”-Blüte in 2026.
Kannst du dich kurz vorstellen und erzählen, was du zwischen der letzten und dieser Mary Jane erlebt hast?
Ich bin Bobby, der Besitzer von Beazy. Die letzten zwölf Monate waren der Moment, in dem die Marke den nächsten Schritt gemacht hat.
Letztes Jahr um diese Zeit wurde der „Zoo“, wie wir ihn nennen, gerade erst eingeführt. Er war vielleicht drei Monate alt und für uns noch komplett neu. In Amerika ist meine Marke vor allem bekannt für die besondere Verpackung und die Candy-Optik, wie zum Beispiel bei Lemon Cherry. Unsere Strains haben ein Branding mit verschiedenen Tieren.
Der Fokus im letzten Jahr lag darauf, die Marke weiterzuentwickeln. Ich glaube, viele Menschen werden irgendwann zu bequem und wissen nicht, wie sie ihre Marke weiter nach vorne bringen können. Oder sie haben Angst, Risiken einzugehen. Aber genau das wollte ich machen. Du kannst nicht in dieser Branche sein, wenn du keine Risiken eingehst und nicht versuchst, dich weiterzuentwickeln.
Wie vertreibt ihr Eure Blüten in den USA?
Wir sind in verschiedenen Dispensaries in Amerika erhältlich, in mehreren Staaten. Natürlich auch im traditionellen Bereich. Online gibt es bestimmte Webseiten, die uns führen.
Du arbeitest mit verschiedenen Farmern. Man sieht aber Blüten oder den Anbau gar nicht in deiner Außendarstellung. Was ist die Idee dahinter?
Der Hauptgrower ist mein Homie Elusive. Er growt die Zebras, er growt die GUZ-Strains und einen großen Teil von dem, was wir den „Zoo“ nennen. Daneben gibt es noch andere Grower, mit denen ich arbeite. Wir haben gerade einen Grow gekauft. Der heißt OGCM und ist in Florida. Das ist unser erster Grow außerhalb von Kalifornien und wir sind sehr gespannt darauf. Dieser Grow wird mit Living Soil arbeiten, während Elusive mit Coco arbeitet. Ein sehr interessanter Unterschied.

Aber zurück zu deiner Frage über die Außendarstellung: Meta ist sehr restriktiv, was Cannabis angeht. Deswegen gibt es keine Blütenfotos oder andere Produktbilder. Mehr Lifestyle. Diese Seiten können jederzeit gelöscht werden. Beide meiner Accounts hatten ungefähr 100.000 Follower. Das dauert Jahre, so etwas aufzubauen. Mit einem Klick kann alles weg sein. Deshalb bin ich sehr vorsichtig.
Als wir das Zoo-Konzept entwickelt haben, war das einer der Gründe dafür. Ich kann ein Zebra zeigen und sie wissen nicht, was es ist. Aber ich weiß, was es ist, und meine Kunden wissen es auch. Dasselbe gilt für die anderen Tiere. Ich glaube, dadurch wurde das Ganze vermarktbar.
Also steht jedes Tier für einen bestimmten Strain?
Genau. Jedes Tier steht für eine andere Sorte. Mittlerweile sind es mehr als 15 verschiedene Strains. Der bekannteste ist „GUZ“, die Bulldogge. Wir wollen den Zoo komplett füllen. Am Ende haben wir Zebras und alles Mögliche. Wir haben Grizzlys, Wölfe, Oktopusse. Marketing ist mein Lieblingsteil. Ich growe nicht selbst, ich breede nicht selbst. Ich arbeite einfach mit den Besten.

Was hast du gemacht, bevor du Deine Cannabis-Brand gestartet hast?
Ich war Pizza-Lieferfahrer. Aber ich bin jetzt 44 Jahre alt und seit meinem 18. Lebensjahr in dieser Industrie. Ich habe es nur nicht ernst genommen, bis ich vor sechs Jahren von Boston nach Los Angeles gezogen bin. Ich hatte gesundheitliche Probleme. Ich war sechs Jahre an der Dialyse wegen Nierenversagen, bis ich eine Transplantation bekommen habe. Außerdem hatte ich früher Probleme mit einer Drogenabhängigkeit. Es war eine Achterbahnfahrt. Aber wir sind jetzt hier. Es war eine wilde Reise.
Ich habe gesehen, dass du auch über mentale Gesundheit sprichst auf Instagram. Das machen nicht viele. In der Cannabis-Industrie zählt doch eher höher, schneller, weiter.
Oh mein Gott, ich liebe das Thema. Ich finde es sehr wichtig.
Viele Menschen sprechen nicht darüber. Jeder hat Probleme. Jeder geht durch schwierige Dinge. Ich bin ein großer Befürworter von Mental Health. Ich mache zweimal pro Woche Therapie. Es hat mein Leben verändert. Die Person, die ich heute bin, war ich nicht, bevor ich mit Therapie angefangen habe.
In unserer Gesellschaft – überall auf der Welt – gibt es dieses Bild, dass Männer keine Gefühle zeigen dürfen. Dass Männer stark sein müssen. Aber das muss nicht so sein. Du kannst stark sein und trotzdem über deine Probleme sprechen. Gerade Männer haben viel Druck. Du musst vielleicht Vater sein, für deine Familie sorgen, Verantwortung übernehmen. In Amerika wird dir oft beigebracht, alles runterzuschlucken und der starke Typ zu sein. Dieser Job ist stressig. Ich versuche, eine globale Marke aufzubauen.
Wenn du der Beste sein willst, machst du dir selbst viel Druck. Du brauchst einen Ort, wo du darüber reden kannst.
Ich finde es interessant, weil viele Leute oft nur die Größe und den Erfolg sehen, aber nicht die Schattenseiten.
Die Schattenseiten sind da. Ich habe seit neun Monaten nicht mehr geraucht. Die letzten vier Male, als ich geraucht habe, hatte ich plötzlich extreme Panik- und Angstattacken. Ich dachte wirklich, mein Herz explodiert. Ich war in der Notaufnahme. Ich habe mein Herz noch nie so schlagen gefühlt. Das kam durch Stress und Angst.
Ich rauche seitdem ich 18 bin, jetzt bin ich 44. Als ich noch geraucht habe, waren es manchmal eine Unze am Tag. Und dann ist es einfach passiert. Von einem Tag auf den anderen.
Interessant, wenn der Gründer einer Cannabis-Marke aufhört zu rauchen.
Ja, und natürlich war ich am Anfang sehr unsicher. Ich bin ein Gesicht der Industrie.
Ich habe viele enge Freunde gefragt: „Soll ich öffentlich sagen, dass ich nicht mehr rauche?“ Einige sagten: „Nein, mach das nicht.“ Aber ich dachte: Ich mache es. Denn das Wichtigste ist, ehrlich mit Menschen zu sein und nichts vorzutäuschen. Die Leute verbinden sich mit mir, weil ich authentisch bin. Egal, ob jemand etwas mag, was ich sage, oder nicht. Ich bin einfach ich.
Als ich es auf Twitter gepostet habe, haben viele Leute kommentiert und gesagt: „Ich mache gerade dasselbe durch wie Du!“ Viele konnten dadurch besser damit umgehen.
Und ich glaube, wenn jemand in meiner Position offen darüber spricht, fühlen sich andere Menschen auch wohler, darüber zu reden.
Kommen wir zurück zum Produkt. Bleibt ihr bei Flower oder gibt es auch andere Bereiche?
Nein, nicht nur Flower. Der Lifestyle-Aspekt ist für mich wichtig. Ich habe das Gefühl, dass es wenig echte Lifestyle-Brands in der Branche gibt.
„The Ten Co“ ist eine Lifestyle-Marke. Sie könnten morgen einen Pop-up machen, ohne Flower zu verkaufen, nur mit Kleidung, und es würde funktionieren. Ich glaube, genau das fehlt in der Industrie. Darauf habe ich im letzten Jahr den Fokus gesetzt.
Ich arbeite mit Blockwork Studios. Die machen die T-Shirts, die Sneaker. Wir haben ein Paar GUZ-Sneaker, die im Oktober in Amerika rauskommen. Ich habe immer geglaubt: Ich möchte nicht die schlaueste Person im Raum sein.

Ich arbeite einfach mit den besten Leuten.
Ich growe nicht, aber ich arbeite mit den besten Growern. Ich breede nicht, aber ich arbeite mit den besten Breedern. Ich mache keine Sneaker, aber ich arbeite mit Leuten, die die besten Sneaker machen. Meine Marke wurde durch Kollaborationen schneller größer. Ich hatte nie Angst davor, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Plattformen und Netzwerke zu teilen, ist für mich der beste Weg, wie man schnell wächst.

Was denkst du über die Mary Jane Messe und das Konzept hier in Berlin?
Einige Leute sagten mir, sie hätten die Spannabis in Bilbao übersprungen und sind direkt hierhergekommen. Mein Gefühl ist, dass hier ganze Flugzeuge aus den USA voll mit Cannabis-Leuten ankamen.
Ja, definitiv. Nummer eins: Ich liebe Berlin. Ich sage das nicht einfach so.
Ich war nur ein paar Mal außerhalb meines Landes unterwegs. Letztes Jahr war ich das erste Mal in Spanien, danach war ich hier und später noch in Amsterdam und Paris.
Aber das war es. Ich liebe Berlin wirklich.
Ich habe deine Posts gesehen. Du hast sehr viel über das Essen berichtet.
Manche Leute geben Berlin beim Essen eine schlechte Note. Aber du kannst hier jede Kultur finden. Ich hatte chinesisches Essen, türkisches Essen, deutsches Essen. Alles war großartig. Ich sage Leuten immer: Wenn du TikTok auf deinem Handy hast, gibt es keine Ausrede, schlecht zu essen. Du suchst einfach, was du willst, und du findest es.
Ich liebe die Stadt. Ich liebe die Geschichte. Ich gehe gerne spazieren. Ich liebe das Brandenburger Tor, die Siegessäule, die Berliner Mauer. Als Kind habe ich darüber in der Schule gelesen. Und wenn du dann hier stehst und es wirklich siehst, dann ist es echte Geschichte. Vor weniger als 70 Jahren ist hier so viel passiert. Das haben wir in Amerika nicht. Amerika ist sehr modernisiert. Hier in Europa gibt es so viel Geschichte. Ich liebe das wirklich.
Und die Mary Jane?
Unglaublich. Ich glaube, Worte können das nicht beschreiben. Allein die Größe der Halle. Nicht einmal die größte Cannabis-Messe in Amerika kommt da ran. Du hast vielleicht eine Messe in LA mit 5.000 Leuten. Hier sind es 75.000.
Es ist ungefähr 15-mal größer. Wenn du online liest „75.000 Menschen kommen zur Mary Jane“, verstehst du erst hier, was das wirklich bedeutet. Wir sind rausgelaufen und ich konnte nur sagen: Wow. Das ist größer als alles, was ich erwartet habe. Ich habe Menschen aus Südafrika getroffen, Australien, Polen, Schweden, Schweiz, Irland, UK, Thailand – und natürlich aus Deutschland.
Ein Typ aus Australien hat ein Video aufgenommen und gesagt: „Oh mein Gott, ich liebe deine Marke.“ Das ist unglaublich.

Ist das auch das Ziel deines Auftritts hier – Menschen mit deiner Marke zu verbinden?
Genau. Ich genieße es wirklich, mit Menschen zu sprechen. Ich gebe jedem die Zeit, die er möchte. Ob fünf Minuten oder länger. Menschen reisen für solche Events. Manche kommen vielleicht nur hierher, um eine Marke zu treffen. Ich möchte niemals jemanden hetzen oder ihm das Gefühl geben, dass ich keine Zeit habe. Gestern war zum Beispiel das Doja x Preferred Event. Ich stand vor der Tür und habe die Riesenschlange gesehen. Ich bin einfach mit angestanden.

Die Leute sagten: „Du musst nicht warten, du kannst einfach reingehen.“
Aber ich wollte nicht. Denn während ich gewartet habe, habe ich so viele Menschen getroffen. Leute wollten Fotos machen. YouTuber aus Großbritannien wollten Interviews machen. Ich bin nicht „besser“ als andere. Ich könnte drinnen mit Leuten sein, die ich schon kenne. Ryan kenne ich. Dave kenne ich. Aber ich wollte euch kennenlernen.
Vielen Dank für das offene Gespräch!
Folgt Bobby und seiner Marke hier:
Folgt Blockwork Studios und seinem Gründer hier:
Fotos: Jhalil D Wright aka The Smacktographer & CannaEcho
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