Ein Wohnhaus in Rheinland-Pfalz wird künftig mit der Abwärme eines Cannabis-Clubs (CSC) beheizt. Das dürfte deutschlandweit bislang einmalig sein, vielleicht sogar europaweit. Ein Interview mit Vorstand Nikolai von einem CSC im Westerwald.
Heizen mit Abwärme aus einem Cannabis-Club, das klingt ungewöhnlich, was genau macht ihr da?
Wir bauen in einem kleinen Ort im schönen Westerwald legal Cannabis an. In der Nähe unseres Clubs baut man gerade ein Mehrfamilienhaus, also haben wir uns entschieden, die produzierte Energie sinnvoll zu nutzen, anstatt sie einfach ungenutzt in die Luft abzugeben.
Dafür haben wir in einen Energieberater investiert und ein Konzept zur Verwertung unserer Abwärme entwickelt. Sogar eine Förderung der KfW konnten wir uns sichern.
Der Cannabisanbau ist generell sehr energieintensiv. Deshalb wird häufig in Ländern mit niedrigeren Produktionskosten angebaut und über Importeure nach Deutschland gebracht. Das deutsche Club-Modell gibt uns die Möglichkeit, den regionalen Anbau zu fördern und ein lokales Produkt anbieten zu können.



Wer so ein Konzept nachmachen möchte: Was muss man in Bezug auf Behörden oder den Austausch mit der Genehmigungsstelle für die Anbaulizenz beachten?
Das hängt – wie so oft – vom jeweiligen Bundesland ab. Bei uns hatte die Umsetzung keinen Einfluss auf das Genehmigungsverfahren. Andere Bundesländer könnten sich allerdings auf industrielle Standards berufen und trotz des Nutzens, den dieses System bringt, Probleme machen.
Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich, unseren Teil zum Erhalt unseres Planeten beizutragen. Wer sich für ein solches System entscheidet, sollte aus unserer Sicht unbedingt in einen Energieberater investieren, der auch über mögliche Förderungen Bescheid weiß.



Gibt es eine konkrete Ersparnis für das Gebäude oder welchen CO₂-Effekt erwartet ihr?
Ja, wir erzielen einen deutlichen energetischen Nutzen für das gesamte Gebäude. Beim Indoor-Anbau entsteht durch Beleuchtung, Entfeuchtung und Klimatisierung viel Wärme. Statt diese ungenutzt nach außen abzuführen, haben wir eine Wärmerückgewinnungsanlage installiert.
Die überschüssige Wärme nehmen die Klimageräte auf, übertragen sie in einen Wasserkreislauf und speichern sie in Pufferspeichern. Diese Energie können wir künftig nutzen, um Wohnräume sowie ein Fitnessstudio zu beheizen.
Damit nutzen wir Energie, die sonst verloren gehen würde, doppelt und reduzieren den Bedarf an zusätzlicher Heizenergie erheblich. Zusätzlich installieren wir auf dem Dach eine Photovoltaikanlage, die einen Teil unseres Strombedarfs mit erneuerbarer Energie abdeckt. Unser Ziel ist es, den Anbau so effizient und nachhaltig wie möglich zu gestalten und damit den CO₂-Fußabdruck deutlich zu senken.
Die genaue CO₂-Einsparung hängt vom späteren Betriebsverlauf und dem tatsächlichen Wärmebedarf der angeschlossenen Gebäude ab. Wir rechnen jedoch damit, dass wir durch die Wärmerückgewinnung und die Photovoltaikanlage jedes Jahr mehrere Tonnen CO₂ einsparen.
Wir betrachten die beim Anbau entstehende Wärme nicht als Abfallprodukt, sondern als wertvolle Energiequelle für andere Gebäudeteile.
Viel Erfolg und Danke für die Insights!



Viel Erfolg und Danke für die Insights!
Wer sich für mehr Infos zum Anlagenbau interessiert, Lorenz Minks Kanal auf YouTube hat hier einige interessante Videos.
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