Mit „4X20: Quick Hits“ startet am 20. April 2026 auf Hulu eine neue Cannabis-Anthologie von Jimmy Kimmels Produktionsfirma Kimmelot. Das Format besteht aus vier 20-minütigen Doku – Kurzfilmen, darunter eine Episode mit dem Titel „High Times“, die sich laut Hulu und People mit der Geschichte des Magazins und seinem Gründer Tom Forçade beschäftigt.
4×20 Quick Hits – perfektes Timing
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein saisonaler 4/20-Programmpunkt – ein weiterer Streaming-Versuch, Cannabis zwischen Nostalgie, Popkultur und Lifestyle für ein breites Publikum aufzubereiten (Bereits 2024 startete mit „High Hopes“ ein cannabisbezogenes Hulu-Projekt).

Doch der Zeitpunkt ist auffällig. Denn High Times befindet sich seit Monaten in einer sichtbaren Rückkehr als Medien- und Lifestyle-Marke. Im Juni 2025 übernahmen RAW-Gründer Josh Kesselman und der frühere High Times-Mitbesitzer Matt Stang die Kern-Assets der Marke in einem 3,5 Millionen Dollar Deal. Laut den damaligen Ankündigungen umfasst der Neustart nicht nur das Magazin, sondern auch die Cannabis Cup-Marke und weitere Medien-Assets.
Genau deshalb stellt sich eine naheliegende Frage: Hat die Hulu-Doku einfach nur ein gutes Timing oder ist sie Teil eines größeren Marken-Relaunch?
High Times: Rückkehr in den Print-Bereich
Fest steht: High Times wird gerade aktiv neu aufgeladen. Auf der aktuellen Website wirbt die Marke offensiv mit ihrer Rückkehr in den Print-Bereich. Dort ist von vierteljährlichen Print-Ausgaben und der „2026 relaunch edition“ die Rede. Auch eine neue Spring Summer 2026 Ausgabe mit Rick Ross auf dem Cover ist kürzlich erschienen. Ende 2025 schrieb High Times zudem selbst, Print bleibe zentral und 2026 solle es mindestens vier sammelbare Print-Ausgaben geben. Außerdem wird deutlich, dass neben redaktionellen Beiträgen auch wieder stärker an Marke, Commerce und Event-Sichtbarkeit gearbeitet wird. Auch die Instagram-Seite wird wieder aktiv bespielt, auf YouTube erscheinen auf dem High Times-Kanal wöchentlich neue Videos. Chef-Redakteur Javier Hasse legt einen viralen, modernen Stil an den Tag.

Mehr als nur ein Magazin
Damit verändert sich auch die Rolle von High Times innerhalb der Kultur. Über Jahre stand die Marke eher für Verfall, Nostalgie und ein Erbe, das größer war als ihre Relevanz. Nun scheint daraus wieder ein offensives Medienprodukt mit neuer Eigentümerstruktur zu werden, mit neuer Print-Strategie und einem deutlich sichtbaren Versuch, kulturelle Autorität zurückzugewinnen. In diesem Kontext wirkt eine Hulu-Produktion über High Times eben nicht wie irgendein isolierter Popkultur-Zufall. Sie fällt genau in einen Moment, in dem die Marke wieder öffentlich erzählt, verkauft und emotional aufgeladen werden soll.

High Times war immer mehr als nur ein Magazin. Über Jahrzehnte war der Titel ein Symbol für Gegenkultur, Underground-Journalismus, Schmuggel-Mythen, Grower-Wissen und das Selbstverständnis einer Bewegung, die lange außerhalb des legalen und kulturellen Mainstreams existierte. Wenn nun ausgerechnet Hulu, also ein großer, etablierter Streaming-Dienst, eine High Times-Geschichte als Teil seines 4/20-Programms anbietet, dann verschiebt sich die symbolische Bedeutung der Marke erneut. Nicht zurück in den Untergrund, sondern hinein in den Vordergrund des amerikanischen Pop-Mainstreams.
Wenn Gegenkultur massentauglich wird
Für die Cannabis-Kultur ist das ambivalent. Einerseits zeigt es, wie weit die Normalisierung inzwischen fortgeschritten ist. Eine Marke, die einst von Behörden, Moralpanik und politischer Repression umgeben war, wird heute als sendefähiges Thema für einen großen Streaming-Dienst aufbereitet. Andererseits liegt genau darin auch ein Risiko: Je stärker Cannabis-Geschichte als Entertainment-Format erzählt wird, desto größer wird die Versuchung, Widersprüche zu glätten. Aus Konflikt wird Content, aus Reibung wird Nostalgie und aus Gegenkultur wird Marke und Pop.
Und genau hier wird entscheidend sein, wie der High Times-Film seine Geschichte erzählt. Wird Tom Forçade als radikale, widersprüchliche Figur ernst genommen? Wird deutlich, dass High Times nicht bloß „coole Weed-Ästhetik“ war, sondern Teil einer echten kulturellen und politischen Bewegung? Oder reduziert die Doku die Geschichte am Ende auf ein hübsch verpacktes 420-Storytelling, das perfekt in die heutige Streaming-Landschaft passt? Es bleibt spannend. Hulu selbst beschreibt die Reihe als Feier einer Pflanze und der Menschen, die sie lieben – also ausdrücklich als konsumfreundliches, zugängliches Format.
Die Jimmy-Kimmel-Doku erscheint in einem Moment, in dem sie für den Relaunch von High Times kaum besser getimt sein könnte. Für High Times ist das strategisch ideal. Der Print-Neustart liefert Sammlerwert und Nostalgie. Der Shop, die redaktionelle Reaktivierung und die Rückkehr des Cannabis Cup sorgen für kommerzielle Anschlussfähigkeit und Relevanz innerhalb der Community. Und Hulu liefert dazu die kulturelle Bühne: High Times als erzählbare Ikone.
Ob das reicht, um High Times dauerhaft wieder zu einer echten publizistischen Kraft zu machen, ist eine andere Frage. Eine Doku auf Hulu ersetzt keinen redaktionellen Wiederaufbau. Aber sie kann etwas anderes leisten: Sie kann den Mythos wieder aktivieren. Und für eine Marke wie High Times ist genau das oft der erste Schritt.
Fazit
Die neue Hulu-Serie „4X20: Quick Hits“ fällt in eine Phase, in der High Times unter Josh Kesselman und Matt Stang sichtbar als Marke, Medium und kulturelles Symbol neu positioniert wird. Das Magazin ist im Jahr 2026 samt aktiver Social Media-Präsenz, Cannabis Cup-Veranstaltungen, Print-Ausgaben und Merch Shop in vollem Umfang zurück. Ob geplant oder Zufall – das Timing für einen Teil innerhalb einer Hulu-Serie an 4/20 ist einfach nur genial.
